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Buch: "Transcending CSS" von Andy Clarke

"Transcending CSS" ist kein Buch zum Lernen von CSS. Andy Clarke kümmert sich überhaupt nicht um Browserkompatibilität und andere profane Dinge, die im Alltag wichtig sind. Aber das Buch ist nicht nur eine Augenweide, sondern immer noch eine hervorragende Inspirationsquelle.

Transcending CSS von Andy Clarke - Cover

Transcending CSS
Andy Clarke
Addison Wesley (April 2009) · 372 Seiten · EUR 29,95
ISBN-10: 3827328381 · ISBN-13: 978-3827328380
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Der erste Eindruck

Ich habe auf infotekten.de vor ein paar Jahren mal eine Notiz mit der überschrift Graphic Designers just don't get it! geschrieben, in der erklärt wurde, warum Grafikdesigner oft keine besonders guten Webseiten bauen. Tja, für mindestens einen trifft das nicht zu.

Andy Clarke von Stuff & Nonsense (aka "Malarkey") ist ein britischer Designer, ein durch und durch visuell denkender Mensch, aber er hat sich auf "die andere Seite" begeben, das Medizinrad durchquert und aufgrund seiner Erfahrungen ein Buch geschrieben, dass die Kluft zwischen visuellen Designern und technischen Entwicklern mühelos überbrücken dürfte.

Man merkt dem Buch die Designerherkunft des Autoren an. Das fast quadratische Format (22,8 x 22,6cm) lässt es bereits äußerlich ungewöhnlich erscheinen und dieser Eindruck setzt sich auch im Inneren fort. Sowohl bei der wunderschönen Gestaltung (das Buch dürfte auch CSS-Laien zum bloßen Blättern animieren) als auch beim Inhalt, der aus vier Teilen besteht:

  1. Entdeckung (des inhaltsbezogenen Umgangs mit Markup)
  2. Designprozess (Prototypen erstellen)
  3. Inspiration (Rasterlayouts und ungewöhnliche Quellen)
  4. Transzendenz (Konkrete Beispiele für Schritt 1 bis 3)

Teil 1: Entdeckung des inhaltsbezogenen Designs

Der erste, rund 100 Seiten lange Teil beginnt mit einer "Einführung in Transcendent CSS" und stellt anschließend sieben Richtlinien vor (z. B. "Nicht alle Browser sehen das gleiche Design", "Nutzen Sie alle verfügbaren CSS Selektoren" oder "Nutzen Sie semantische Namenskonventionen und Mikroformate"). Diese Einleitung fand ich manchmal etwas langatmig und konstruiert. Richtig gepackt hat mich erst Seite 53, auf der Clarke die vier Teile des Buches kurz vorstellt und erklärt, was er unter inhaltsbezogenem Design versteht:

Wenn Sie ein Dokument schreiben, sollten Sie auf jeden Fall zuerst nur strukturelle Elemente wie Überschriften, Absätze, Listen und Zitate verwenden.

Wow. So sprechen nicht viele Grafikdesigner. Und er bringt Beispiele dafür, dass die Reihenfolge des Quelltextes nicht unbedingt identisch ist mit der Reihenfolge im sichtbaren Dokument, erzählt über Markup und Semantik, demonstriert anhand von einfachen Quizaufgaben ala "Welches Markup steckt in diesem Foto?" geeignete Markup-Strukturen, und beendet den ersten Teil des Buches mit dem Motto "Die ganz Welt ist eine Liste".

Teil 2: Designprozess ("Prototyping") - Workflow und interaktive Prototypen

In diesem Teil geht es um einen geeigneten Workflow und die Erstellung von Prototypen. Clarke schlägt einen inhaltsbezogenen Prozess vor:

  1. Inhalte sammeln
  2. Wireframes entwerfen (Diagramme)
  3. Statische Designs (in Photoshop)
  4. Aussagekräftiges Markup schreiben
  5. Design mit CSS umsetzen

Clarke schlägt die Erstellung von interaktiven Prototypen aus XHTML und CSS vor, was er auf den letzten 40 Seiten von Teil 2 an einer Site namens "Cookr!" demonstriert. Dabei zeigt er einige sehr kreative Möglichkeiten der Anwendung von Kombinationen aus Listen, überschriften zusammen mit absoluter Positionierung. Gutes Markup, kreatives CSS, und es sieht alles auch noch gut aus, denn der Mann ist wirklich ein begnadeter Grafiker.

Teil 3: Inspiration - Rasterlayouts und ungewöhnliche Quellen

Im ersten Abschnitt von Teil 3 lernt der Leser wichtige gestalterische Grundlagen wie Rasterlayouts ("Grids") und Goldener Schnitt, sowie viele Beispiele, wie man diese Techniken im Web einsetzen kann. Zum Beispiel wird ein 770px breites Layout durch den goldenen Schnitt in einen 475px breiten Inhaltsteil und einen 295px breite Sidebar unterteilt, und es sieht bei ihm einfach stimmig aus.

Zum Abschluß von Teil 3 wird gezeigt, wie man zu ungewöhnlichen Ideen kommt: Moodboards, Scrapbooks, Perspektiven verändern und generell die Welt mit offenen Augen betrachten. Teilweise banal, aber nicht uninteressant.

Teil 4: Transzendenz - Altogether now ...

Der erste Abschnitt von Teil 4 ist für mich der interessanteste Teil des Buches. Clarke zeigt anhand von fünf Beispielen, wie man mit den im Buch angeregten Techniken konkret arbeiten kann. Genial, was der Mann mit Listen macht. Kaum zu glauben, dass hinter den Beispielen dieselben Lsten, Absätze und CSS-Eigenschaften stehen, die ich seit Jahren kenne und benutze. Das Buch endet mit einem Ausblick auf CSS3 und kommenden Techniken wie dem ALM-CSS (Advanced Layout Modul).

Fazit

"Transcending CSS" ist kein Buch zum Lernen von CSS. In dem bereits 2007 erschienenen Buch kümmert sich der Autor überhaupt nicht um Browserkompatibilität und andere profane Dinge, die im Alltag wichtig sind. Aber das Buch ist nicht nur eine Augenweide, sondern immer noch eine hervorragende Inspirationsquelle.

Das Buch richtet sich gleichermaßen an Grafikdesigner und Entwickler oder Infotekten und überbrückt scheinbar mühelos die paar Kilometer Graben, die oft zwischen den beiden Welten liegen.

Anmerkung zur deutschen Übersetzung

Ich kenne nur die erste Auflage, aber da liest die deutsche Version sich mit einigen Ausnahmen recht flüssig. Der englische Untertitel "The Fine Art of Web Design" wurde im deutschen zu "Neue kreative Spielräume im Webdesign", Der Titel von Teil 2 "Prototyping" heißt auf deutsch "Designprozess", aber am meisten gestört hat mich in Teil 3 die Übersetzung von "Grid-Layout" mit "Gitter-Layout". Ich bin zwar kein Grafikdesigner, aber ich glaube der übliche deutsche Begriff heißt "Raster" und nicht "Gitter".

22.11.2009 von Peter Müller

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Kommentare

Kommentar von makcie | 26.11.2009

Hallo Peter,

Danke für die Buchbesprechung.
Buch bestellt, gestern erhalten, mit der Lektüre begonnen.

Viele Grüße
makcie

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